Wenn zwei das Gleiche tun, scheint es nicht das Selbe zu sein…

Die Hälfte der Ferien sind vorbei und ich mag eigentlich kein Fazit ziehen, denn nun hat es auch das jüngste Kind in diesem Hause krankenmäßig erwischt. Ein Fall, den wir so noch nie hatten (welch bisheriges Glück!).
Gute drei Wochen mit wenig Schlaf, dem vor allem erholsame Tiefe fehlte, zeigen ihre Wirkung.
Denn egal ob 3 oder 13 Jahre; wenn dein Kind krank ist und heftige Hustenanfälle die Nacht durchbrechen, dann biste wach. Punkt!

Unser Zustand im Moment ist dem der Baby-/ Kleinkindzeit sehr ähnlich. Mütter werden wissen was ich meine 😉

Ich bin erschöpft!

Natürlich ist die jetzige Situation nur kurzfristig (i hope so!), aber Fakt ist:
Ich bin erschöpft.

Aber eigentlich darf ich nicht erschöpft sein, denn:
Anderen Müttern geht es noch schlechter!

Alleinerziehenden zum Beispiel.
Und von dort wird mir suggeriert, dass meine Erschöpfung nicht existent ist. Oder gar der Wunsch einer kleinen kinderfreien Auszeit nicht akzeptabel ist.

Oder darf ich zwar erschöpft sein, es aber nicht sagen? Oder darf man dies nur unter Gleichgesinnten sagen? In meinem Fall Müttern in Partnerschaft. Und mit drei Kindern… wahrscheinlich müssen alle Parameter übereinstimmen.

Aber wer bestimmt über die Tatsache, wie ich mich fühlen darf bzw ob ich dieses gar äußern darf? Oder ob mich eine Situation erschöpfen darf?

Wiegt die Arbeit einer Alleinerziehenden mit zwei gesunden Kindern mehr als der Aufwand eines Paares mit einem gesundheitlich beeinträchtigten Kind? Oder ist das dann Gleichstand?

Sind es wirklich „Luxusproblemchen“ wenn eine Mutter in Beziehung ein kinderfreies Wochenende auch mal schön fände?
Ein Partner allein verspricht doch keine Entlastung! Das Aufteilen von Aufwendungen und Aufmerksamkeit verspricht (teilweise) Entlastung.
Dies muss doch aber nicht zwangsläufig durch den Lebenspartner/ Ehegatten geschehen.

Nur weil theoretisch Möglichkeiten vorhanden sind, müssen diese doch nicht auch praktisch umsetzbar sein!

Sorry, aber ich schreibe den Alleinerziehenden doch auch nicht: Schau in andere Teile der Welt. Es gibt sehr viel mehr Mütter und Kindern denen es noch schlechter geht als dir!

Nach dem Motto: Schlimmer geht immer.

Das käme dem Absprechen des Rechts auf seine Empfindungen gleich!

Die Wahrheit ist doch lediglich die Gesamtsumme von      Erfahrungen seines bisherigen Lebens und den Emotionen in einer Momentaufnahme!

Was ich heute locker wegstecke, kann mich morgen zum Platzen bringen. Sei es die Diskussion um´s Zähne putzen oder das umgekippte Milchglas.


Bleibt die Frage:
Wollen wir Eltern und ihre Arbeit klassifizieren?

Die Mutter mit Partner und 3 Kindern darf weniger „klagen“ als die Alleinerziehende mit einem Kind. Diese aber wiederum weniger als die Alleinerziehende mit zwei Kindern.
Das Alter der Kinder müsste natürlich ebenfalls mit einbezogen werden und der Arbeitsumfang der Eltern.

Ich finde:  N e i n !


 

Denn jede von uns macht ihren „Job“, der manchmal physisch und psychisch einiges abverlangt, nach bestem Wissen und Gewissen.
Jede von uns mit mehr oder weniger Unterstützung. Mal in leichteren Zeiten, mal in schwereren. Mal sind die Kinder kooperativ, am anderen Tag weniger.

Es wird niemandem mit dieser sinnlosen und unkonstruktiven Kritik geholfen. Am allerwenigsten den Kindern, für die wir da sein wollen. Mit allen Kräften, die uns zur Verfügung stehen.

Ich plädiere nicht für die „wir haben uns alle lieb“-Philosphie. Ich plädiere für den Respekt einander – egal welches System gelebt wird. Und für das Verständnis, dass jedem einmal die Luft ausgeht und er sich nach einem Rückzug sehnt.

Wer weiß schon wie lange mein „Glück“ (aus eurer alleinerziehenden Sicht) noch hält. Oder ob dein Leben nicht schon nächste Woche eine überraschende Wendung erfährt und dir dein dich unterstützender Partner über die Füße läuft…. 🙂

****Wie es oft so ist, wenn einen ein Thema beschäftigt, dann scheint das Thema dich immer wieder zu finden: während die ersten Zeilen dieses Textes im Ideensammelbuch entstanden sind, postete die liebe Anna {Berlinmittemom} über Twitter einen Link zu einem Blogpost.
Auch wenn das Thema in diesem die liebe Erziehung oder eben nicht-Erziehung ist, endet eben dieser Post so:

Respekt funktioniert in beide Richtungen. Probiert es mal aus, man kann sich gegenseitig respektieren, wenn man denn will.***

 

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2 Gedanken zu “Wenn zwei das Gleiche tun, scheint es nicht das Selbe zu sein…

  1. Bianca schreibt:

    Das hast du super geschrieben.
    Ich mag sowas auch nicht! Es geht immer jemand anderem schlechter. Dann dürften wir alle nie klagen. Es ist auch gut, wenn man sich das mal klar macht. Aber das kann man selber. Da braucht man keine Außenstehenden für.
    Einer Freundin mit „nicht so gefährlichem“ Brustkrebs wurde auch gesagt, als sie zur Reha war, da könne sie mal sehen, wie gut es ihr geht, so vielen anderen geht es so viel schlechter. Na klar ist das wahr. Aber viel nimmt denn sowas von den eigenen Ängsten und Sorgen fort?????
    Also, nicht draufhören!!!!!
    Liebe Grüße
    Bianca

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